Münster. Sportschützen haben einen Tunnelblick sie konzentrieren sich, schauen durch die Zielvorrichtung über das Korn auf das Ziel, haben aber gleichzeitig die Fähnchen im Blick, die den Wind anzeigen. Wenn da irgendetwas aus dem Augenwinkel kommt, merkt man das sofort, erzählt Phillip Deimann. Er muss es wissen, er ist aktueller Deutscher Juniorenmeister im Dreistellungskampf liegend, stehend und kniend mit dem Kleinkaliber. Aus Münster kommt jetzt eine Erfindung, die das Blickfeld der übrigens stets mit zwei geöffneten Augen schießenden Sportschützen revolutioniert und in Athen für Medaillen sorgen soll. Heiko Bröker hats erfunden, den neuen Diopter aus dem Haus Rittmeyer Feinmechanik. Bröker, selbst Sportschütze und Kollege des Feinmechaniker-Azubis Deimann, hat die Idee eines Trainers aufgegriffen und zur Serienreife gebracht. Heinz Reinkemeyer, der auch den deutschen Top-Schützen Maik Eckhardt trainiert, wollte die Mechanik der so genannten Diopter aus dem Sichtfeld der Schützen heraushaben. Der Diopter ist der Träger der verstellbaren Blende, durch die die Schützen blicken. An herkömmlichen Modellen schränken die Rädchen zur Höhen- und Seitenverstellung das Blickfeld erheblich ein. Bröker: Ich habe das Problem privat aufgegriffen, obwohl ich in der Fertigung arbeite, nicht als Konstrukteur. Vielleicht nicht mehr lange. Sein Chef Walter Rittmeyer ist angetan von der Initiative, ihm soll die Möglichkeit gegeben werden, mehr in der Konstruktion zu arbeiten. Ich habe ständig Ideen. Die Hälfte kann man sogar realisieren, scherzt Bröker. Der Diopter ist schon jetzt kein Einzelfall: Für seinen Smith&Wesson-Revolver fertigte er ein Visier. Auf dem Markt gab es einfach nichts, dass seinen Vorstellungen entsprach. Jetzt ist er dabei, das Visier mit einem Hersteller zur Marktreife zu entwickeln, der US-Markt wartet. An den Gewinnen für den Hightech-Diopter wird sein Erfinder beteiligt. Bisher gibt es nur fünf Prototypen. Neben Maik Eckhardt treten zudem die für die Schweiz startende Gabi Bühlmann und der für Indien schießende Bundesligist Abinav Bindra mit dem bei Rittmeyer am Höltenweg gefertigten Diopter in Athen an. Wie überzeugt die drei Athleten von der Konstruktion Made in Münster sind, zeigte sich bei der Qualifikation für Olympia: Alle traten mit den Prototypen an. Das macht man eigentlich nicht, erklärt der Deutsche Juniorenmeister Deimann. Schatten, Sonne, Reflexionen an neues Gerät müsse man sich erst gewöhnen. Den großen Unterschied hätten die Olympioniken nicht erlebt, als sie den Bröker-Diopter zum ersten Mal benutzten, berichtet Deimann. Sondern als sie danach den herkömmlichen wieder aufschraubten: Es wurde richtig dunkel. Zurzeit läuft die Serienfertigung der ersten 100 Stück, berichtet der Chef. Die sollen rechtzeitig zur Deutschen Meisterschaft im September fertig sein, bei der auch Phillip Deimann antritt.
Der Feinmechanik-Azubi und Deutsche Juniorenmeister Phillip Deimann (r.) demonstriert an seiner Wettkampfwaffe den Diopter, den Heiko Bröker in Eigeninitiative entwickelt hat. Der Diopter ist das kleine silberne Teil oberhalb des Abzugs und hält die Blende, durch die der Schütze blickt. Foto: -jfo- Freitag, 13. August 2004 | Quelle: Westfälische Nachrichten (Münster)